Didier Pittet: „Bekämpfung von Acinetobacter baumannii erfordert gemeinsames Vorgehen der europäischen Länder“

Eine multiresistente Variante von Acinetobacter baumannii, welche kürzlich mehrere Todesopfer am Universitätsklinikum Kiel forderte, stellt Krankenhäuser vor große Herausforderungen. Der Keim ist besonders widerstandsfähig und überlebt trotz hygienischer Maßnahmen leichter als andere gefährliche Erreger, sagt Univ.-Prof. Dr. Didier Pittet, Leiter des WHO Collaborating Centre on Patient Safety.

Acinetobacter baumannii versteckt sich so gut wie überall: In kleinsten Ritzen von medizinischem Equipment ist er ebenso zu finden, wie auf Nachttischen oder auf Stationstelefonen. „Mit Hygienemaßnahmen wie sie etwa bei MRSA oder clostridium difficile getroffen werden, ist es äußerst schwierig, diesen Keim erfolgreich aus dem Spitalsumfeld zu entfernen“, sagte Univ.-Prof. Didier Pittet kürzlich bei einem Besuch in Wien.
Dass die zu treffenden Maßnahmen äußerst aufwändig sind, zeigt das aktuelle Beispiel im Universitätsklinikum Kiel. Über dreißig Patienten mussten isoliert werden, einige starben, wobei nicht bei allen Todesfällen ein eindeutiger Rückschluss auf Acinetobacter baumannii gezogen werden kann.
Tatsache hingegen ist, dass Hygieniker in Westeuropa im Umgang mit diesem Keim vor großen Herausforderungen stehen. Unter anderem geht es insbesondere darum, den Transfer dieses Erregers so gut wie möglich zu unterbinden und südosteuropäische Länder bei dessen Bekämpfung zu unterstützen. Denn Acinetobacter baumanii ist bis dato vor allem in süd-und osteuropäischen Kliniken anzutreffen gewesen. „Dieses Problem ist länderübergreifend und erfordert eine gemeinsame, gesamteuropäische Herangehensweise“, sagt Pittet.