Nosokomiale Infektionen: Gefahrenquelle „Abfälle“

Abfallmanagement spielt für die Gesamthygiene im Krankenhaus große Rolle. Dieses Faktum wird nach wie vor unterschätzt, sagt der Hygieneexperte und Facharzt für Innere Medizin, Dr. Helmut Katschnig.

Herr Dr. Katschnig, nosokomiale Infektionen sind seit Jahren ein großes Thema. Wenig bekannt ist, dass ein Teil der Ansteckungen über nicht sachgemäß entsorgte Abfälle passiert. Gibt es Untersuchungen, wie viel Prozent der Infektionen auf Abfälle zurückzuführen sind?

Laut WHO Schätzung waren im Jahr 2000 21 Millionen Hepatitis B Virusinfektionen, 2 Millionen Hepatitits C Virusinfektionen und 260.000 HIV-Infektionen auf kontaminierte Spritzennadeln zurückzuführen. Die Zahl weiterer Infektionen innerhalb des Krankenhauses bei Abfallmanipulation und -entsorgung lässt sich gegenüber anderen Wegen der Ansteckung nicht genau abgrenzen.

Faktum ist, dass Abfälle eine nicht zu unterschätzende Gefahrenquelle darstellen. Dies kommt auch deutlich in der europäischen Gefahrenguttransportverordung (ADR) zum Ausdruck.

Nicht nur bei pflegerischen Maßnahmen, sondern auch durch zerrissene Abfallsäcke – bei unsachgemäßer Verpackung und unsachgemäßem Handling – kann es leicht zu einer Kontamination der Hände und der Umgebung kommen, wodurch Krankheitserreger auf Patienten, Personal und auf die Allgemeinbevölkerung übertragen werden können.

 

Wie wird Abfallmanagement in den meisten Krankenhäusern Österreichs praktiziert?

Grundsätzlich ist zu sagen, dass das Abfallmanagement in Österreich durchaus gut organisiert wird. In allen Einrichtungen gibt es Abfallbeauftragte, die sich nach der ÖNORM S2104 richten. Nicht unbedingt sinnvoll aber ist die Tatsache, dass nur ein kleiner Teil der kontaminierten Abfälle im Gegensatz zu anderen Ländern wie z.B. England als „infektiös“ eingestuft wird, was ein nicht zu unterschätzendes Restinfektionsrisiko sein kann.

 

Wie sollte gutes Abfallmanagement idealer Weise aussehen, und wie kann dadurch die Gesamthygiene im Krankenhaus verbessert werden?

Wesentlich sind hier nicht nur organisatorische, sondern insbesondere auch bewusstseinsbildende Maßnahmen. Es geht also darum, dass alle Beteiligten, die mit kontaminierten Abfällen hantieren, den Sinn einer Infektionsvorbeugung begreifen und Hygienemaßnahmen peinlichst genau einhalten. Seit Krankheitserreger auftreten, die gegen Antibiotika resistent sind, wie MRSA, VRE, ESBL, oder multiresistente Tuberkuloseerreger, hat sich dieser Anspruch an das Personal weiter verschärft.

Für ein zweckgerichtetes und sinnvolles Abfallmanagement kontaminierter (potentiell) infektiöser Abfälle sind aber vor allem folgende Grundregeln wesentlich:

Durch zielgerichtete Maßnahmen Kontaminationen im medizinischen Bereich maximal möglich zu vermeiden (Kontaminationsschutz = Infektionsschutz) und das Infektionsrisiko durch eine „Vor-Ort“-Desinfektion dieser Abfallkategorie bereits an der Quelle zu begrenzen (= Grundprinzip der Seuchenhygiene).