Nosokomiale Infektionen: „Zahlen sind wichtige Grundlage für Maßnahmen“

Interview mit Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Presterl (MedUni Wien)
(Fotocredit: MedUni Wien)

Frau Dr. Presterl, laut einem aktuellen Bericht des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) erkranken in Europa jedes Jahr etwa 4,1 Millionen Menschen an nosokomialen Infektionen, rund 37.000 Patienten sterben daran. Der Anteil operationsbezogener Wundinfektionen macht mit 17 Prozent einen erheblichen Teil aus: Wie lauten die beiden Zahlen (insgesamt bzw. postoperativ) für Österreich?

Die Zahlen für postoperative Wundinfektionen sind entsprechend der Erfassung durch das ECDC-System durchschnittlich 3,33 Prozent. Details sind im Bericht der ECDC, veröffentlicht 2012 unter „Postoperative Infektionen (2008-2009)“ zu finden. Neuere Daten sind schon in der Pipeline aber noch nicht freigegeben. Man muss dazu sagen, dass die Erfassung von Infektionen einen Aufwand an Ressourcen (Personal, Zeit und fachliche Qualifikation) bedeutet, damit diese Zahlen auch zuverlässige Grundlagen für Maßnahmen sind.

Unabhängig davon, ob man nun von genauen Zahlen oder Schätzungen ausgeht: Was kann man über die Entwicklung sagen? Gibt es einen Anstieg von nosokomialen Infektionen in Österreich? Und wie hoch ist er?

Die Zahlen der postoperativen Wundinfektionen waren über die Jahre generell stabil. Zahlen hängen sehr von der Probengröße und der Art der Studienpopulation ab. Das heißt, es ist immer eine Variation zu erwarten. Wichtig ist aber, dass die Erfassung von nosokomialen Infektionen stattfindet, um Veränderungen wahrzunehmen und die Gründe dafür zu erfassen, damit Verbesserungen in die Wege geleitet werden können. Wünschenswert ist, dass für die wichtigsten Eingriffe in allen Krankenanstalten diese Zahlen erfasst werden können.
Wir haben erstmals 2012 an einer Europa-weiten Punkt-Prävalenz-Erhebung mit einer Anzahl von Krankenanstalten teilgenommen. Die Punkt-Prävalenz-Erhebung ist eine Methode der Datenerhebung, die alle Patienten einer Krankenanstalt in einem kurzen Zeitraum einmal erfasst. Bisher wurde vor Jahren schon eine ähnliche Studie durchgeführt, aber damals nur für Intensivstationen bzw. an bestimmten Abteilungen. In der Punkt-Prävalenz-Erhebung 2012 lag die Prävalenz von nosokomialen Infektionen europaweit bei durchschnittlich 6 Prozent. Die Prävalenz von nosokomialen Infektionen im österreichischen Datenpool lag bei 6.2 Prozent. Eine europaweite Wiederholung ist in 5 Jahren angedacht, um erstens Verbesserungen, die sich daraus ergeben, umzusetzen und zweitens Verlaufsdaten zu bekommen.

Welche Bereiche – außer der Handhygiene – sind ebenfalls wichtig, um nosokomiale Infektionen zu senken? (Antibiotikamanagement …etc…)

Viele Dinge sind wichtig: Die Verbesserung der Alltagsprozesse in Hinblick auf Hygiene, das Antibiotika-Management, und vieles mehr. „Antimicrobial Stewardship“ ist eine wichtige Komponente im Kampf gegen die Entwicklung von multi-resistenten Mikroorganismen. Die Behandlung von Infektionen muss sicher sein, und erhalten bleiben.
Wie wichtig Händehygiene ist, zeigte die Veranstaltung „Händehygiene – Vorstellung der Aktionen in Österreich“ Mitte Juni, die von der Gesundheit Österreich, dem BMG und uns als Referenzzentrum organisiert wurde.